Wie alles begann

Eventreport

 Bremerhaven 11.08.2018  

Charity Dinner mit Johann Lafer in Bremerhaven

Im August fand im Seefischkochstudio in Bremerhaven ein denkwürdiges Dinner statt, an das alle Beteiligten noch lange zurückdenken werden.

Angekündigt wurde die Veranstaltung erst im Juli und das sehr zaghaft. Ein kleiner Flyer mit einem Foto von Johann Lafer, Ralf Harms, dem Küchenchef des Seefischkochstudios und Ralf Bos, dem Initiator von Spitzenköche für Afrika, dem dieser Abend gewidmet sein sollte. Alle drei Herren trugen auf dem Foto Kochjacken, was darauf hindeutete, dass alle drei wohl kochen würden.

Unter dem Foto stand zu lesen, dass ein Fünf-Gang-Menü mit Sektempfang und Weinbegleitung für 99 € geboten wird. Jetzt ist 99 € für so ein Event nicht besonders teuer und die Erwartungen die geweckt werden sind ebenfalls nicht besonders hoch. Besonders wenn man liest, dass 100 % des Umsatzes an die Initiative Spitzenköche für Afrika gespendet werden.

Jetzt ist es aber so, dass Johann Lafer eine Riesen Fanbase hat, das Seefisch Kochstudio eine Menge treuer Fans und selbst Ralf Bos in Bremerhaven einen guten Eindruck hinterlassen hat, als er zwei Jahre zuvor ein ähnliches Event im Seefisch Kochstudio moderiert hat. Deshalb ist es überhaupt nicht erstaunlich, dass das Event in wenigen Tagen restlos ausverkauft war. Die Hundert Plätze hätten auch zwei oder dreimal verkauft werden können, und wenn man tüchtig die Werbetrommel gerührt hätte, vermutlich noch öfter.

Genau so wenig erstaunlich war es, dass die Gäste, die gegen 18.30 Uhr das Seefischkochstudio zum verabredeten Sektempfang betraten, eher skeptisch waren. Auch während des Empfangs, bei dem junge Service Damen in Vorraum, der mit Werbeflyern der Sponsoren dekoriert war, freundlich Sekt servierten, wurde diese Skepsis noch nicht beruhigt. Ungewöhnlich war höchstens, dass die Gläser großzügig mit feinstem Schaumwein aus opulenten Magnumflaschen nachgefüllt wurden. Kenner des Metiers hätten vielleicht wahrgenommen, dass der Stoff, der da ausgeschenkt wurde auch qualitativ durchaus in die Champions League gehört. Tresor von Bouvet, Jahrgangs-Crémant aus der Magnum.

Als die Gäste Platz genommen hatten, passierte etwas, was man normalerweise nur bei Tombolas beobachten kann. Nämlich, wenn man bei diesen Tombolas den Lospreis mit der Anzahl der Lose multipliziert und sich dann die Preise anschaut, die dagegen stehen. Oft ist es bei Wohltätigkeitsveranstaltungen so, dass, wenn zum Beispiel 1.000 Lose für 15 € verkauft werden, hierdurch eine Spendensumme von 15.000 € generiert wird. Wenn man sich jedoch die Preise anschaut und diese im Kopf aufaddiert, kommt man oft auf einen Wert, der deutlich darüber liegt, und dass man ein gutes Geschäft gemacht hätte, wenn man alle Lose gekauft hätte. Natürlich bestimmt der Wert der Preise den Preis der Lose, aber wenn die Lospreise und Menge einmal beschlossen sind, dann passiert es oft, dass man die Großzügigkeit der Spender der Preise unterschätzt oder es noch zu nicht kalkulierten Preisen in letzter Minute kommt.

Genau so war es an diesem Abend. Es gab zwar keine Tombola, sondern ein Menü, aber alle Beteiligten waren dermaßen motiviert und großzügig, dass quasi jeder, der sich eine Eintrittskarte organisieren konnte, ein Gewinner war. Schuld an diesem Glück waren natürlich in erster Linie die Sponsoren, die sich nach der Festlegung des Menüpreises nicht nur als ausgesprochen großzügig erwiesen, sondern sich auch noch im Nachhinein vermehrten.

Natürlich lebt so ein Menü vom guten Essen, aber auch von den speisebegleitenden Weinen. Hier hatte Ralf Bos einen Großteil seines Gefallenkontos bei den Lieferanten und Produzenten eingefordert und ist nicht enttäuscht worden. So kam es, dass die Speisen nicht nur von Weinen der Winzerelite begleitet wurden, sondern dass diese auch noch tief in ihre Schatzkiste gegriffen haben. Eine Weinbegleitung wie die, die dank der Großzügigkeit von Winzerlegenden wie Markus Schneider, Jens Bettenheimer und Tina Pfaffmann und dem bereits erwähnten Sekthaus Bouvet bereits schon mehr wert war, als der Eintrittspreis zu diesem kompletten Event.

Auch dank eines später hinzugekommenen Unterstützers, dem Brotspezialisten Markus Gundel von Manz Backtechnik aus Creglingen, wurde aus dem annoncierten Fünf-Gang-Menü ein Sechs-Gang-Menü. Der Meisterbäcker hatte die Idee, nicht nur die Brotbegleitung zu kredenzen, sondern einen eigenen kleinen Brot-Gang zu kreieren. So backte er außer der Reihe 100 kleine Brote, die er aushöhlte und mit einer Erbsencremesuppe und mit Lachsfiletstreifen füllte.

Das war schon mal ein fulminanter Start ins Menü.

Nach diesem Amuse-Bouche wurde den Gästen erst einmal bewusst gemacht, dass es an diesem Abend nicht nur ein gesetztes Essen mit begleitenden Weinen gibt, sondern ein Event mit Livemusik und einer Moderation, die einen erhöhten Unterhaltungsfaktor hat. Für die Musik war Steven zuständig. Ein örtlicher Troubadour, der sich auf die Hits der 70er und 80er Jahre spezialisiert hat, der aber auch wunderbare Ambiente Musik zum Essen spielte.

Die Moderation des Abends übernahm Ralf Bos, der sich in seiner Rolle sichtlich wohl-fühlte und reichlich bemüht war, all die wunderbaren Mitstreiter dieser Veranstaltung gebührend vorzustellen und seinen Dank an sie auszusprechen. Der Star des Abends war jedoch eindeutig Johann Lafer, der sich nach kurzer Begrüßung erst `mal pflichtbewusst in die Küche trollte, denn er gehört zu den Küchenstars, die zum Kochen auf solche Veranstaltungen kommen. Das ist nicht selbstverständlich. Viele Köche aus der allerersten Liga schicken ihr Team zum Kochen vor und kommen nur zum Applausernten auf die Veranstaltung. Nicht so Johann Lafer, wenn er da ist, dann kocht er auch.

Aber jetzt war erst `mal der Hausherr am Zug. Ralf Harms, der Küchenchef des Seefischkochstudios kann Fisch, und das hat er unter Beweis gestellt. Zwei fulminante Vorspeisen, einmal ein geflämmten Kammmuschel-Carpaccio mit Granatapfel und Wildkräutersalat und einmal ein, auf den Punkt gegartes, ratiniertes Stück Nutaaq-Kabeljaufilet mit Feige, Ziegenkäse, Honig und Rote Beete sorgten für andächtige Stille beim Essen und anschließend für wohlverdienten Applaus. Die begleitenden Weine, ein Ingelheimer Lagen-Chardonnay von Jens Bettenheim, der grandios im Glas stand und danach das Herzglück, ein Premium Riesling von Tina Pfaffmann, der sehr nah an perfekt war, ließen sogar die Weinfexe unter den Gästen staunen. Selbst bei denen die mit hohen Erwartungen gekommen waren, wurden diese jetzt schon übertroffen.

Ralf Bos moderierte die Gänge und die Weine auf eine Art und Weise, die für beides eine Sensibilität erzeugte, die dann wiederum auch den Köchen und Winzern gerecht wurde. Es wurde an diesem Abend nicht nur gegessen und getrunken, Es wurde geschmeckt, verkostet, entdeckt, erkannt und genossen und wir sind noch bei den Vorspeisen.

Jetzt kam der erste Johann Lafer Gang. Bei der Begrüßung schlichtete Johann den Applaus der Gäste mit den Worten: Warten Sie mit dem Klatschen bitte bis nach dem Essen.

Jetzt war es soweit. Der Gang klang schlicht und spiegelte den aktuellen Küchentrend zu 100 % wider. Das gebackene Pfaffenstückchen von der Maispoularde mit Fregola Sarda, einer landestypischen Nudelspezialität. Nicht verspielt und nicht auf Effekthascherei aus, wurde hier bis aufs Maximum reduziert. Niemand der dieses Nudelgericht mit Backhändel gesehen hätte, könnte sich vorstellen wie viel dutzend Handgriffe, Einkochvorgänge und weitere Arbeitsschritte notwendig waren, um ein so einfaches Gericht so perfekt werden zu lassen. Jeder der aber das Glück hatte diesen Gang zu probieren, verstand sofort, dass das eine andere Welt, eine andere Ebene des Genusses ist, die nur ganz wenige Kochkünstler darstellen können. Wer übrigens nicht weiß, was ein Pfaffenstückchen ist, nicht schlimm, kennt kaum jemand. Nach Johann Lafer ist es das allerfeinste Stück des Geflügels. Die Franzosen nennen es Sot-l’y-laisse und es handelt sich dabei um ein kleines Filet, das unter der Brust der Poularde liegt.

Der Applaus, der aufbrauste, als Johann auf die Bühne kam, wollte nicht enden und Johann nahm ihn dankbar entgegen. Gelöst und fröhlich erzählte er von seiner Reise am Vortag, die ihn von Singapur nach Bremerhaven führte und baute ein paar wirklich lustige Anekdoten aus Asien ein. Dann erzählte er von seiner Reise, die ihn am nächsten Tag in den Fernsehgarten nach Mainz führen würde. Er entschuldigte sich schon mal, dass er sich am späteren Abend vielleicht etwas ruckartig verabschieden würde, da er um fünf Uhr früh in Bremerhaven losfahren müsse, um pünktlich um 10 Uhr beim ZDF in Mainz sein zu können.

Dass ein solch bekannter Mann für ein Charity-Event, zwischen Singapur und Mainz noch mal eben einen 1000 Kilometer Umweg macht, erzeugte mehr als achtungsvollen Respekt. Jeder erwartet jetzt eigentlich, dass Johann sich nach seinem Gang sang und klanglos verkrümelte. Weit gefehlt, denn zum ersten war er auch für das Dessert verantwortlich und zum anderen wurde jetzt der zweite Hauptgang serviert.

Für diesen Gang war Ralf Bos und sein hochtalentierter Koch, Helge Unterweg, verantwortlich. Helge Unterweg dürfte Ihnen schon bekannt sein, denn das ist niemand geringeres als der „heilige Helge“, der wöchentlich die Cocktail-Kolumne auf EAT-DRINK-THINK schreibt. Auch diese beiden haben einen köstlich reduzierten Gang kreiert. Gyozas mit Ochsenschwanzragout gefüllt, dazu cremiges Kartoffelpüree, eine Lauch Velouté und frische australische Wintertrüffel, die allerdings erst am Tisch über das Essen gehobelt wurden.

Nachdem Johann Lafer sich von der unglaublich hohen Qualität der Trüffel überzeugen konnte, willigte er sofort ein, diesen Job zusammen mit Ralf Bos zu übernehmen. So konnten die hundert Gäste schon wenige Minuten nach seinem Auftritt auch noch Körperkontakt mit Johann haben. Am Tisch waren Bos und Lafer ein geniales Duo, die sich gegenseitig anstachelten, mehr Trüffel übers Essen zu hobeln und ermunterten obendrein das Publikum sie anzufeuern. Das daraus resultierender Trüffel-Happening überzeugte selbst den letzten Skeptiker und auch die Weinfexe bekamen noch eine Granate ins Glas: Black Print von Markus Schneider aus der Magnum. Es gibt kaum einen passenderen deutschen Rotwein zu diesem Gericht.

Beim Dessert zeigte Johann Lafer was wirklich in ihm steckt. Das war ein Zweisterne-Dessert mit etlichen Komponenten, die um einen wunderschönen Weinbergpfirsich drapiert waren, der wiederum aus einer Mousse bestand. Das war Weltklasse.

Wer jetzt dachte, dass er sich jetzt langsam verabschieden würde, weit gefehlt. Ihm fiel ein, dass er noch 40 seiner Kochbücher in seinem Kofferraum liegen hatte. Diese spendete er kurzerhand der Organisation „Spitzenköche für Afrika“. In Windeseile wurden diese Bücher an die Gäste des Abends verkauft, signiert und mit schönen Widmungen versehen und die Spendensumme des Tages erhöhte sich um einen weiteren vierstelligen Betrag.

An diesem Tag passte alles. Weitere Unterstützer, wie Azul Kaffee, bauten extra eine kleine Kaffeebar auf, um den Gästen nicht nur einen Kaffee oder Espresso zuzubereiten, sondern auch auf die Besonderheiten des äthiopischen Kaffees hinzuweisen und neben den Siebträger Kaffees auch kleine Filterkaffees a la Minute zuzubereiten.

Im Foyer des Seefischkochstudios hatte die Grünberg Gewürzmanufaktur GmbH ihren Informationsstand aufgebaut und bot den Gästen über die gesamte Veranstaltung hinweg, allerlei Informationen rund um ihre Biogewürze.

Die Gäste konnten neben den herausragenden einen auch zu jedem Gang ein extra zu diesem Gericht abgeschmecktes Bier der Craftbier Brauerei Alpirsbacher Klosterbräu bestellen.

Für die Freunde des härteren Stoffs gab es noch eine kleine Rumkarte mit den Produkten von Copper & Brave, die man pur oder als Longdrink bestellen konnte.

Zum Abschied bekam jeder weibliche Gast noch ein Geschenkpaket in dem neben der neuen Lafer Zeitschrift auch ein Profiküchenmesser und viele andere Überraschungen zu finden waren.


v.l. Johann Lafer, Christina Klug, Ralf Harms, Tanja Dehne, Arne Dehne und Ralf Bos 

Zusammengefasst war das ein großartiger Abend, die dem Initiator Arne Dehne, Verkaufsleiter der Qualitätsgewürzmanufaktur Gewürze-Markanstädt GmbH und der kaufmännischen Leitung des Seefischkochstudios, Frau Christina Klug, nicht nur höchstes Lob, sondern eine Spendensumme von über 10.000 € einbrachten, die dann auch stante pede an die Organisation Menschen für Menschen überwiesen wurde, die alle Einnahmen der Initiative Spitzenköche für Afrika in Äthiopien in Bildungsprojekte investiert. So können Ralf Bos und seine Spitzenköche für Afrika sehr Stolz auf bereits 7 große Schulen in Äthiopien blicken, die in den letzten 10 Jahren mit 1,7 Million Euro Spendengeldern finanziert wurden und mehr als 6000 Kindern durch Bildung einen Ausweg aus dem Teufelskreis von Hunger und Elend ermöglichen.